Mit dem Riesenrad geruhsam auf eine Rundreise gehen
Wer sich großen Kirmessen und Jahrmärkten nähert, sieht sie bei freiem Gesichtsfeld schon von weitem: Riesenräder , die sich gemütlich wie Windmühlenflügel bei einem lauen Lüftchen drehen.Ihr Reiz liegt natürlich nicht allein im Aussehen, sondern vor allem in der Möglichkeit, sich in aller Ruhe dem Himmel zu nähern und dabei die zunehmend bessere Aussicht auf die Umgebung zu genießen. Schon das einem zu Füßen liegende Festplatzgelände, abends gebadet in heutzutage nicht mehr wegzudenkendem Lichterglanz, ist mehr als einen Anblick bzw. eine Umdrehung wert. Riesenräder sind aber auch in Vergnügungsparks seit vielen Jahren unübersehbare Attraktionen. Es sei nur an den Wiener Prater erinnert.
Und tatsächlich hat bei den Riesenrädern alles in einem Vergnügungspark angefangen.
Im Jahre 1893 baute der amerikanische Ingenieur Georg W. G. Ferris in den der Weltausstellung in Chicago angegliederten Park zwei gleich große Stahlräder mit einem Durchmesser von 76 m, zwischen denen 36 ``Waggons" hingen, die 1440 Passagieren Platz boten. Bis heute spricht man im Amerikanischen und Englischen von ``Ferris wheel", wenn man ein Riesenrad meint.
Die genannte gewaltige Anlage mit einem Gewicht von 1200 Tonnen und einer Fahrzeit von ca. 10 Minuten pro Umdrehung fand innerhalb weniger Jahre ähnliche Nachbauten in London(1894), Wien (1897), Berlin (1898) und Paris (1898).
In Frankreichs Hauptstadt wurde auch der Höhepunkt im wahrsten Sinne erreicht. Das ``Grand Roue" hatte 100 Meter Raddurchmesser, ein Fundament von 25 m Tiefe, 40 Waggons für 1600 Personen, von denen zwei als Restaurants ausgestaltet waren. Das insgesamt 110 m hohe Bauwerk befand sich unweit vom Eifelturm, der mit seiner Größe und seinen Stahlelementen die Anregung zum Bau des ersten Riesenrades in Chicago geliefert hatte.
Die deutsche Bezeichnung ``Riesenrad" stammt aus dieser Zeit vor rund 100 Jahren und hat sich dann später auch für die kleineren tranportablen Anlagen dieser Art durchgesetzt.Vorläufer des Riesenrades war die ``Russische Schaukel", die ab etwa 1880 un verschiedenen Höhen bis maximal 12 Meter und mit 6 bis 12 Gondeln gebaut wurde.


Die Mittelachse des Ferris Wheel 1893 in Chicago
Unter einer ``Russischen Schaukel" hat man sich eine Konstruktion mit zwei senkrechten Stützen, auf denen sich zwei drehbare Balkenkreuze mit an den Enden an Querstangen aufgehängten Gondeln befinden, vorzustellen.
In der heutigen Zeit, die auch auf den Fest- und Rummelplätzen stets neue Akzente setzen will, haben sich die transportablen Riesenräder in beachtliche Höhen aufgeschwungen. Bei der größten Anlage sind 60 Meter erreicht.



Riesenrad im Wiener Prater
``Russische Schaukel" 1920
Schaustellerfamilie Weber
Der Passagier darf eine erhöhte Aussicht genießen, der Schausteller erhöhte Gewichte und Kosten bewältigen. Somit ist klar, daß schon aus wirtschaftlichen Gründen vorerst das Ende der Fahnenstange erreicht sein dürfte. Riesenradfans müssen zwar ihre diesbezüglichen Erwartungen zügeln, aber dem stets neuen Genuß einer aus der ``guten altenZeit" stammenden vertikalen Kreisbewegung sollte dies keinen Abbruch tun. Geschwindigkeit und Höhe sind eben nicht alles, vor allem, wenn es um (subjektive) Erlebnisreize geht.
Beitrag von
Reinhardt Weinreich

``Russische Schaukel" 1920
Schaustellerfamilie Weber
Für Jahrmarktfans empfehlen wir
das Buch
``Volksbelustigungen" von Florian Dering, erschien im Greno-Verlag
ISBN = 3891900058
